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Uli Ahlke zu Gast bei den Grünen (Westfälische Nachrichten 20.08.2022)

Von Rainer Nix

HORSTMAR. „Der Transformationsprozess ist mehr ein gesellschaftlicher, als ein technischer", sagt Uli Ahlke, ehemaliger Leiter des Amtes für Klimaschutz und Nachhaltigkeit beim Kreis Steinfurt und Vorsitzender des Vereins „WieWollenWirLeben?" In fast allen Bereichen leben wir über unsere Verhältnisse", machte er deutlich. ,,Wir gehen verantwortungslos mit Ressourcen um und begünstigen den Klimawandel. Das kann so nicht weitergehen. Umdenken ist längst überfällig und, was das Wichtigste ist, auch möglich."

Ahlke war mit seinem Vortrag „Denn wir tun nicht, was wir wissen", am Mittwoch auf Einladung des Horstmarer Ortsverbandes Bündnis 90/Die Grünen zu Gast im Restaurant „Holskenbänd". Die Resonanz des Publikums war gut, es entwickelte sich eine rege Diskussion.

Viele Menschen schöpfen aus dem Vollen und reizen das kontinuierlich aus. Wachstum in jeder Weise scheint das einzige Kriterium zu sein, das zählt. Im Jahr 2018 wurden 1,1 Milliarden Flüge gezählt, allein in Deutschland waren es 222 Millionen. Ein Plus von '43 Prozent gegenüber 2010. 30 Prozent aller Fahrzeug-Neuzulassungen sind SUVs. Nicht gut fürs Klima. 1984 gab es in deutschen Supermärkten 7000 Artikel, heute sind es rund 26 000, so Ahlke.

Die weltweite Produktion der Bekleidungsindustrie hat sich vom Jahr 2000 bis 2014 verdoppelt. In 2014 wurden mehr als 100 Milliarden Kleidungsstücke produziert. „Wir tragen unsere Kleidung nur noch halb so lange wie vor 15 Jahren", so der Referent. Insgesamt betrachtet, kann man bis zum Jahr 1750 von Bedarfsdeckung reden, während heute immer wieder neue Bedarfe geweckt werden. Während die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf im Jahr 1950 noch bei 14 Quadratmetern lag, sind es heute 46 und werden es voraussichtlich im Jahr 2030 rund 5 5 Quadratmeter sein.

Es gibt viele weitere Beispiele expansiver Prozesse. „Wenn alle Menschen leben würden wie wir, bräuchten wir zirka drei Planeten", erläuterte Ahlke. Wachstum schafft Wohlstand, der bewirkt Konkurrenz, sie erzeugt Beschleunigung, die wiederum Wachstum bewirkt. So lautet die „Steigerungslogik der Moderne". Eine Spirale ohne Ende? Internationale Abhängigkeiten zum Beispiel im Bereich Energie können in politischen Krisen zu schweren Folgen führen. Es gibt viele gute Ideen, um eine Wende herbeizuführen, von Energiegenossenschaften über Regionalvermarktung bis zum „sanften Tourismus".

Der Referent stellte die Frage, warum wir nicht tun, was-vernünftig ist. Antwort: Entscheidende Instanz beim Treffen von Entscheidungen sind Emotionen, nicht der Verstand. Daher gestalten sich Verhaltensänderungen so schwierig. Nachhaltigkeit ist das Gebot der Stunde. Zukunftsorientierte Visionen, Ziele und Vorstellungen sind notwendig, technisch ist Vieles umsetzbar.

„Die Zivilgesellschaft hat mehr Möglichkeiten, etwas zu verändern, als sie glaubt, betont Ahlke und fordert Courage ein. Natürlich auf friedlicher Basis.